2026-07-09 06:55Pressemitteilung

Wenn der Motor Geschichte erzählt: die besondere Oldtimer-Liebe in Sachsen-Anhalt

Oldtimer auf einer Fähre bei Tangermünde. Foto: ifa-freunde sachsen-anhaltOldtimer auf einer Fähre bei Tangermünde. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Im Sommer vergeht in Sachsen-Anhalt kaum ein Wochenende, an dem nicht irgendwo im Land ein Oldtimertreffen stattfindet. Zahlreiche Fans sammeln alte Fahrzeuge, die voller Nostalgie stecken. Denn Oldtimer und Sachsen-Anhalt – das ist eine ganz besondere Liebesbeziehung. Ein knatternder und nach Benzin riechender Überblick.

Es macht kurz „klack“ und dann ist Ruhe. Das Auto springt nicht an. Dabei ist der bullige, schwarz lackierte Tschaika das Herzstück der Ausstellung in Beuster. Im kleinen Ort an der Elbe im nördlichen Sachsen-Anhalt sammelt Ralf von Hagen alte Fahrzeuge. Das Auto, das er gerade vorführen möchte, wurde in Russland gebaut und diente in den 1960er bis 1980er Jahren der Oberklasse. DDR-Staatschef Walter Ulbricht etwa wurde in so einer Karosse durch die Gegend gefahren.

Von Hagen ist mit einem Opel Baujahr 1936 gekommen, um die Tore zum Blaulichtmuseum in Beuster zu öffnen. In den alten Garagen und Hallen auf einem ehemaligen LPG-Betriebshof stehen mehr als 40 Fahrzeuge aller Generationen. Es sind Wartburgs als Polizeiautos zu sehen, Barkasse als Krankentransportfahrzeuge oder eine Art Schwimmpanzer von der Nationalen Volksarmee. Für die einen ist es ganz viel altes Blech und Öl auf einen Haufen. Für die anderen ist es puristische Technik zum Anfassen, in der jede Menge Erinnerungen stecken.

Die Enthusiasten alter Technik bekommen feuchte Augen im Museum in Beuster. Aber nicht nur hier. „Man kann im Grunde an jedem Wochenende in Sachsen-Anhalt an einem Oldtimertreffen teilnehmen“, sagt Sammler Ralf von Hagen. Er und sein Verein in Beuster richten selbst einmal im Jahr ein solches Treffen aus. Es sind die sogenannten Blaulichttage in Beuster – immer am letzten Wochenende im Juli. Dann pilgern Tausende Sammler und Freunde alter Technik an die Elbe. Einige zum Staunen, andere zum Fachsimpeln. Viele kommen mit dem eigenen alten Gefährt.

Ralf von Hagen in einem Opel von 1937. Foto: Björn Menzel

Ralf von Hagen in einem Opel von 1937. Foto: Björn Menzel

Vorteil der „transparenten“ Technik

Doch warum ist der Hype um das alte Fahrzeug so groß? „Eine gute Frage“, sagt von Hagen. Ihn hat es in den 1990ger Jahren gepackt, als er einen Opel von 1937 erstehen konnte. Es ging weiter mit einem Opel Blitz als Feuerwehr, dann kamen Krankenwagen aus der DDR hinzu und Polizeiautos vergangener Jahrzehnte. Wer sich heute auf dem Gelände umschaut, erkennt auch, dass Sammler selten ein Ende finden. Wer kann schon „Nein“ sagen bei der Gelegenheit, den originalen Volvo zu bekommen, mit dem einst Stasichef Erich Mielke unterwegs war?

Aus der Sicht von Ralf von Hagen sind es drei Dinge, die Menschen zu Oldtimerfans werden lassen. „Da ist die transparente Technik, an die im Grunde jeder Hand anlegen kann“, sagt er. Außerdem gebe es viele alte Fahrzeuge noch, weil sie sehr robust gebaut worden sind. „Und es sind in zahlreichen Familien natürlich besondere Erinnerungen mit Fahrzeugen verknüpft.“ Der erste Urlaub an der Ostsee, die Fahrt an den Balaton, das erste Moped in die Freiheit. Oldtimer werden oft auch als Geldanlage-Objekt angeschafft, auch wenn jüngst die Preise durchschnittlich gefallen seien. Hinzu komme: Blaulicht-Fahrzeuge strahlen seit je her auf manch einen eine gewisse Faszination aus.

Sammler Ralf von Hagen. Foto: Björn Menzel

Sammler Ralf von Hagen. Foto: Björn Menzel

Feuerwehrtechnik im Harz

Davon profitiert auch das Feuerwehrmuseum in Wernigerode. Die Barkas- und Oldtimerfreunde der Stadt im Harz haben sich dem Erhalt historischer Feuerwehrtechnik verschrieben und dazu 2014 einen Verein gegründet. Die Mitglieder kümmern sich um das Museum, das derzeit täglich außer donnerstags und sonntags geöffnet hat, sowie um den Erhalt der Fahrzeuge.

Im alten Spritzenhaus können Besucherinnen und Besucher von historischer Feuerwehrausrüstung bis hin zu Löschfahrzeugen und antiken Pferdebespannten Löschpumpen alles bestaunen. Auch angemeldete Führungen sind möglich. Der Verein lädt zu mehreren Veranstaltungen rund um die alte Löschtechnik, ein Höhepunkt ist das Lichterfest mit Lichterfahrt durch die Stadt – in diesem Jahr am 12. Dezember.

Oldtimer im Straßenbild von Wernigerode. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Oldtimer im Straßenbild von Wernigerode. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Größtes Oldtimertreffen in Mitteldeutschland

Einen anderen Termin kennen alle Fans alter Fahrzeuge im Land. Das OMMMA ist das größte DDR-Oldtimertreffen in Mitteldeutschland. In diesem Jahr findet es am letzten Augustwochenende statt. Tausende reisen dafür in den Elbauenpark Magdeburg. Dort organisieren die Ifa-Freunde Sachsen-Anhalt seit 1999 das Ost-Mobil-Meeting-Magdeburg, kurz OMMMA.

Vereinschef Frank Schuster erinnert sich an die Anfänge. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert wurden die Sammlerinnen und Sammler gefragt, ob sie nicht ein Oldtimer-Treffen während der Bundesgartenschau auf dem Gelände organisieren wollen. Die Veranstaltung war so ein Erfolg, dass es sie noch heute gibt. Nur viel größer als am Anfang mit damals rund 180 Fahrzeugen. Jetzt kommt die Szene drei Tage lang mit rund 2.000 Fahrzeugen zusammen, campt auf dem Gelände und bestreitet ein umfangreiches Programm. Händler von Teilen bieten im Grunde alles an, was gesucht und gebraucht wird.

Natürlich stehen auch bei Frank Schuster einige Lieblinge in der Garage. Darunter befinden sich ein Wartburg 312 Hardtop, ein Polski Fiat und ein Opel Kapitän aus dem Jahr 1963. Seine Frau ist immer mit dabei. Denn das Hobby vereine Spaß, viel Zeit und im besten Fall die Familie, sagt Schuster. Es sei gut, wenn Sammler keine zwei linken Hände und gute Beziehungen in die Szene haben – ansonsten kann es ganz schnell richtig teuer werden.

Größtes DDR-Oldtimertreffen in Mitteldeutschland - OMMMA. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Größtes DDR-Oldtimertreffen in Mitteldeutschland - OMMMA. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Fahrzeuge aus dem ehemaligen Ostblock

Der starke Trend zum Oldtimer erklärt Schuster vor allem mit der Nostalgie. Die Ifa-Freunde setzen mit ihrer Ausrichtung genau darauf. Das OMMMA-Treffen zielt auf historische Fahrzeuge aus dem Ostblock ab. Beim Treffen im Magdeburger Elbauenpark sind neben Wartburg, Simson und Trabant unter anderem auch Tatra, Moskwitsch, Saporoshez, Lada oder Berliner Roller zu bestaunen.

Auch der Tschaika aus der Garage von Ralf von Hagen in Beuster gehört in diese Kategorie. Von Hagen hat noch schnell ein Booster-Ladegerät für die Batterie geholt, damit er den bulligen Wagen anschmeißen kann. Keine Minute später schnurrt der leise V-8-Motor vor sich hin. Das historische Auto besitzt elektrische Fensterheber und ein Automatikgetriebe. Technik, die noch heute (viele) begeistert.

Im Elbauenpark: Schlafen neben den Lieblingen. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Im Elbauenpark: Schlafen neben den Lieblingen. Foto: ifa-freunde sachsen-anhalt

Autor: Björn Menzel

Weitere Termine im Oldtimer-Kalender von Sachsen-Anhalt:

-           ADAC Sachsen-Anhalt Classic – vom 10. bis 12. Juli 2026 in Dessau: https://www.adac.de/veranstaltungen/adac-sachsen-anhalt-classic-2026/

-           11. „Tage der Technik“ am 18. und 19. Juli 2026 am Fahrzeugmuseum in Benneckenstein im Harz

-           8. Oldtimertreffen Amtshof Ditfurt (12. September 2026): Regionale Oldtimer-Schau in Ditfurt bei Quedlinburg

-           12.Traktor- & Oldtimertreffen, am 12 September 2026 in Leuna

-           Oldtimertreffen Hettstedt am 10.–11. Oktober 2026: Treffen zum Eisenbahnwochenende in Hettstedt.

Mehr unter:

Blaulichtmuseum Beuster: https://www.blaulichtmuseum-beuster.de/

Feuerwehrmuseum Wernigerode: https://www.feuerwehrmuseum-wernigerode.de/

Ifa-Freunde Sachsen-Anhalt: https://ifa-freunde-sachsen-anhalt-ev.de/


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