2026-11-03 09:00Pressemitteilungen

Weltweit erste großtechnische Anlage: Aus Biodiesel stellt Verbio Bausteine für Spezialchemikalien her

Die Ethenolyseanlage am Standort Bitterfeld. © Verbio SEDie Ethenolyseanlage am Standort Bitterfeld. © Verbio SE

Das Bioökonomieunternehmen Verbio im Süden Sachsen-Anhalts steht für wegweisende grüne Alternativen zu fossilen Rohstoffen. Aus Biomasse stellt Verbio erneuerbare Chemikalien für Mobilität, Industrie und Landwirtschaft her. Eine Weltneuheit ist die großtechnische Anlage, die eine Nobelpreis-gekürte Technologie in Anwendung bringt: Aus Rapsöl werden hochwertige erneuerbare Kohlenstoffe hergestellt.

Es gibt Tankstellen, von denen der Name „Verbio“ in grünen Lettern prangt. Und im Süden Sachsen-Anhalts sind Busse mit der Aufschrift „Verbio“ unterwegs. Vor 25 Jahren begann die Unternehmensgeschichte mit dem ersten Produktionsstandort für Biodiesel in Bitterfeld-Wolfen. Heute bringt Verbio nicht nur Biodiesel, Bioethanol und Biomethan als Ersatz für fossile Kraftstoffe auf den Markt, sondern nimmt – vereinfacht ausgedrückt – anstatt Erdöl das Öl aus Raps und stellt daraus biobasierte Chemikalien her.

Mittlerweile zählt Verbio zu den umsatzstärksten Unternehmen Sachsen-Anhalts und hat bis dato acht Bioraffinerieanlagen in Europa, Asien und Nordamerika mit zirka 1400 Mitarbeitenden. Seit 2006 ist Verbio eines von drei börsennotierten Unternehmen aus Sachsen-Anhalt.

Verbio - erneuerbare Chemikalien aus Biomasse

Verbio - erneuerbare Chemikalien aus Biomasse. Foto: IMG

Der Technologie-Pionier
Die Marke Verbio ist in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt, da das Unternehmen ausschließlich Produkte für Industriekunden herstellt. Doch in Europa gehört Verbio schon seit vielen Jahren zu einem der Technologieführer in der Branche für Erneuerbare Energien. Was Technologien betrifft, sorgt das Team um Firmengründer und CEO Claus Sauter wieder einmal für Aufsehen. An seinem Standort im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen hat Verbio im Oktober 2026 die weltweit erste großtechnische Ethenolyseanlage auf Basis von Rapsmethylester in Betrieb genommen. Ethenolyse ist ein chemisches Verfahren, bei dem ungesättigte Kohlenwasserstoffe (Olefine) mithilfe von Ethen (Ethylen) und Spezialkatalysatoren gespalten und zu neuen Endprodukten umgesetzt werden.

„Vor etwa zehn Jahren haben unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Forschungsabteilung gemeint, es sei einfach zu schade, aus den wertvollen Molekülen aus Rapsöl nur Kraftstoff zu machen, der in Fahrzeugen verbrannt wird. Wir haben eine Technologie gefunden, mit der dieser Biodiesel zu Spezialchemikalien für unterschiedlichste Anwendungen weiterverarbeitet werden kann“, sagt Claus Sauter. Er weiß von Hause aus, welches Potenzial in Biomasse steckt. Direkt nach seinem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften hatte Claus Sauter in den 1980er Jahren die Leitung des elterlichen Unternehmens, der Alois Sauter Landesprodukte-Großhandlung im bayerischen Obenhausen übernommen. Anfang der 1990er Jahre besuchte Claus Sauter die Nachfolgeunternehmen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in den neuen Bundesländern. „Das fachliche Know-how der sehr gut ausgebildeten Agraringenieure und die vorhandenen Großflächen wollte ich nutzen, um mein eigenes Unternehmen aufzubauen“, sagt er und dass er zu seinem Glück den renommierten Ingenieur Dr. Georg Pollert als Partner fand. Der spätere Verbio-Mitbegründer brachte seine Kompetenzen bezüglich der Biodieselherstellung ein.

Porträt: Claus Sauter, CEO der Verbio SE. © Verbio SE

Porträt Claus Sauter, CEO der Verbio SE. © Verbio SE

Vorteile bei Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
2001 ging in Bitterfeld die erste Biodiesel-Produktion in Betrieb. 2004 startete in Zörbig die Produktion von Bioethanol und 2005 in Schwedt an der Oder. 2014 ging in Schwedt erstmals eine Anlage in Betrieb, in der aus 100 Prozent Stroh Biomethan gewonnen wurde.

Eine eigene Lkw-Flotte belegt seit Jahren die Praxistauglichkeit der innovativen Verbio Biokraftstoffe, wie z. B. Bio-LNG aus landwirtschaftlichen Reststoffen und eigener Produktion. Das Verbio-Tankstellennetz für Bio-CNG und Bio-LNG ist inzwischen auf 48 eigene und Partner-Stationen in Deutschland herangewachsen. „Der verflüssigte, erneuerbare Kraftstoff aus Biomethan kann im Lkw-Güterverkehr fossilen Diesel ablösen“, ist Claus Sauter überzeugt und bietet u.a. Speditionen an, sie bei der Umstellung auf Bio-LNG zu unterstützen. „Der Einsatz von regionaler Biomasse macht unabhängig von globalen Lieferketten und damit verbundenen Preisschwankungen. Das trägt zur Wirtschaftlichkeit und gleichermaßen zum Klimaschutz bei“, sagt der Verbio-CEO und führt mit Blick auf den Verkehrssektor die derzeitigen Kraftstoffpreise ins Feld: „Seit Monaten ist E10 in Europa der günstigste Flüssigkraftstoff an der Tankstelle. Indien mischt bereits 20 Prozent Bioethanol ins Benzin, und in den USA ist E15 bereits ein Standard-Kraftstoff. Die EU prüft die Einführung von E20.“

Verbio stellt hochwertige erneuerbare Kohlenstoffe her. Foto: IMG

Verbio stellt hochwertige erneuerbare Kohlenstoffe her. Foto: IMG

Chemische Bausteine aus Rapsöl
Die Biodiesel-Anlage in Bitterfeld hatte sich in den zurückliegenden Jahren zu einer integrierten Bioraffinerie gewandelt. Aus europäischem Rapsöl werden hier neben Biodiesel auch Glycerin und Phytosterole gewonnen; natürliche, pflanzliche Fettverbindungen, die in der Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. „Mit der neuen großtechnischen Ethenolyseanlage erschließen wir uns einen zusätzlichen Absatzmarkt auf Basis von Rapsöl, was das Unternehmen bereits seit vielen Jahren als bewährte Rohstoffbasis einsetzt“, Claus Sauter spricht von 60.000 Tonnen biobasierter Spezialchemikalien, die in der neuen Anlage jährlich hergestellt werden können. Diese „chemischen Bausteine“ würden dann von den Kunden entsprechend der gewünschten Anwendung weiterverarbeitet, beispielsweise zu Hochleistungsschmierstoffen, Wasch- und Reinigungsmitteln oder biobasierten Kunststoffen. Das Interesse reiche von Unternehmen in Deutschland und Europa bis zu Anfragen aus Nord- und Südamerika und Asien. Sauter betont: „Eine nachhaltige Energie- und Rohstoffversorgung braucht dort, wo Elektrifizierung nicht möglich ist, biomassebasierte Kohlenstoffmoleküle, zum Beispiel in der Chemie.“

Nobelpreis für Ethenolyse
„Die chemische Industrie kann nicht dekarbonisiert werden. Die Lösung liegt in der Defossilisierung, also im erneuerbaren Kohlenstoff“, sagt auch Dr. Andreas Kohl. Der Chemiker verantwortet bei Verbio den Bereich „Specialty Chemicals und Catalysts“. Er betont: „Mittels der Ethenolyse wollen wir uns zunutze machen, dass die Pflanzen bereits Moleküle mit besonderen chemischen Funktionen selber hergestellt haben.“

Zwei amerikanische und ein französischer Wissenschaftler hatten das Verfahren entwickelt, mit dem sich Doppelbindungen in Kohlenwasserstoffen gezielt aufbrechen und neu verknüpfen lassen. Dafür erhielten sie 2005 den Nobelpreis für Chemie. Der Anteil des Amerikaners Richard R. Schrock war es, Katalysatoren zu entwickeln, mit denen die Ethenolyse preiswert durchgeführt werden kann. Bei Verbio kommt sie nun erstmals in die industrielle Anwendung. Die von Schrock 2012 in Ungarn gegründete Firma XiMo ist heute ein Verbio-Tochterunternehmen. Dort werden die Katalysatoren produziert, die es möglich machen, Kohlenstoffverbindungen aus dem Rapsöl gezielt in neue Moleküle für chemische Anwendungen umzuwandeln. „Die Entdeckung von Richard Schrock ist die Grundlage für die neue Verbio-Technologie“, sagt Andreas Kohl.

Dr. AnDr. Andreas Kohl © Verbio SEdreas Kohl © Verbio SE

Dr. Andreas Kohl © Verbio SE

Knapp 100 Millionen Euro hat Verbio in das Projekt zur Herstellung biobasierter Chemikalien investiert. Die Bitterfelder Anlage wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ für besonders umweltfreundliche und innovative Technologien gefördert. Zirka 50 neue Arbeitsplätze sind entstanden. Damit sind künftig etwa 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Verbio-Standort im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen beschäftigt. „Unsere Standortvorteile hier sind die Nähe zur regionalen Landwirtschaft für die Rohstoffversorgung und die vorhandene industrielle Infrastruktur“, bekräftigt Verbio-CEO Claus Sauter seine „nachhaltige“ Verbundenheit zu Sachsen-Anhalt, dem Standort der ersten Stunde.

Autorin: Kathrain Graubaum

Mehr Informationen: https://www.verbio.de/unternehmen/ 

 



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