Erstmals werden der Hafen und die mittelalterlichen Stadtanlagen von Tangermünde zur Kulisse einer Freiluftbühne: Hier kommen die Fans von Monty Python und sommerlich lustiger Unterhaltung auf ihre Kosten. Das Theater der Altmark spielt zusammen mit der Hansestadt groß auf. Die Premiere des Musicals findet in wenigen Tagen statt.
Acht Takte in die eine Richtung, eine Drehung und acht Takte in die andere Richtung. Dann vier Schritte nach vorn und Stepp, Cross und Kick. Und das alles noch einmal. Die Darstellerinnen proben gerade eine Tanz-Schrittfolge für das Musical „Spamalot“. Es ist zwar noch Zeit bis zur Premiere des „verrücktesten Ritterspektakels der Musicalgeschichte“, aber die Spannung im Theater der Altmark in Stendal steigt merklich. Erstmals will das Haus in Kooperation mit der Hansestadt Tangermünde eine große Freilichtbühne im Hafen der Stadt bespielen.
Die Partnerschaft zwischen Stadt und Theater ist vor einem Jahr mit großen Ambitionen besiegelt worden. Tangermündes Open-Air Kulisse soll „die“ Adresse für Theaterbegeisterte werden sowie für alle, die es noch werden wollen – in der Altmark und darüber hinaus. Mit der Hafenbühne im einmaligen Ambiente wollen die Altmärker Gäste in die Region locken oder zumindest auf sich aufmerksam machen. Mittelpunkt des Geschehens wird das Elbtor der Rossfurt, das majestätisch inmitten der mittelalterlichen massiven Stadtmauer Besucher den Eingang in die Altstadt lässt.
Intendantin Dorotty Szalma. Foto: Björn Menzel
Bühne eingebettet in historischer Kulisse
Die Theatermacher haben für ihre Vision der Hafenbühne ein kleines Modell aus Pappe gebastelt. Es steht gleich neben der Probebühne im Theaterhaus in Stendal. Im Modell ist zu erkennen, was die Gäste ab dem 20. Juni in Tangermünde erwartet. „Auf einer Fläche von etwa 30 mal 30 Metern werden die Darstellerinnen und Darsteller vor der Stadtmauer agieren“, sagt Dorotty Szalma. Sie ist die Intendantin des Theaters und führt bei „Spamalot“ die Regie. Mehr als 500 Plätze für Zuschauer sollen aufgebaut werden. Es gibt ein Zelt für eine Liveband, Platz für den Chor und das historische Elbtor wird quasi der Abgang. Dahinter wurde eigens ein Ferienhaus angemietet, um die rund 150 verschiedenen Kostüme unterzubringen.
Die Herausforderung für Szalma war es vor allem, ein Stück zu inszenieren, das auf so einer großen Fläche funktioniert. „Jeder soll alles sehen können“, sagt sie. Genau darum würden die Darstellenden zum Beispiel quietschbunte Perücken tragen. Das zeigt Jaclin Kaufmann-Hochmuth. Die Maskenbildnerin arbeitet in einem Raum in den Katakomben des Stendaler Theaters.
Tangermünde, Blick über die Elbe. Foto: Björn Menzel
Pinke Haare und große Bärte aus Schaumstoff
Jaclin Kaufmann-Hochmuth hält in der einen Hand eine Art Föhn. In der anderen Hand hat sie gelben in Streifen geschnittenen Schaumstoff. Das sollen einmal die Haare einer Darstellerin werden. Dazu föhnt sie den Schaumstoff über einen Stab. Die entstandenen Locken klebt sie dann an die Perücke. Das dauert pro Stück ungefähr einen Tag. Acht solcher Perücken hat sie schon fertig, sie sind pink, grün, blau und schwarz. Neben den Perücken fertigt die Maskenbildnerin auch Bärte aus Schaumstoff an. Sie sind überdimensioniert groß. Auch sie sollen später bei der Aufführung vom Publikum von allen Plätzen aus gut erkennbar sein.
Auf der Probebühne stehen rote Rechtecke. Sie sehen aus wie riesige Backsteine und werden ab dem 20. Juni in Tangermünde auf der Bühne liegen. Tangermünde ist bekannt für seine Backsteingotik. Auch die alte Stadtmauer hinter der Bühne besteht aus Backstein. „Wir wollten ein Stück aufführen, was auch optisch zu Tangermünde passt“, sagt Intendantin Dorotty Szalma. „Darum haben wir ein Stück gesucht, in dem auch eine Burg eine Rolle spielt.“ Die Ritter der Kokosnuss und die Kulisse der Hansestadt ergänzen sich treffend. Das komplette Bühnenbild wird in einer Werkstatt ein paar Minuten entfernt vom Theater gefertigt und dann zum Spielort gefahren.
Bunte Perücken schaffen auf der Bühne Sichtbarkeit. Foto: Björn Menzel
„Es wird gesungen, getanzt und musiziert, es wird eine einzige Farce“
Szalma war bei der Planung aber noch etwas wichtig. „Da der Spielort ja noch völlig unbekannt ist, haben wir nach einem bekannten Stück gesucht“, sagt sie. Das ist, soviel kann schon vor der Premiere gesagt werden, mit „Spamalot“ gelungen. Monty Pythons Ritter der Kokosnuss haben es zu einer Film-Berühmtheit gebracht und sind seit Jahrzehnten so etwas wie ulkige Stars mit Sinn für Realsatire und einer Portion immer aktuell wirkender Gesellschaftskritik. Die Handlung ganz kurz: Auf lustige Art und Weise wird die Sage von König Artus wiedergegeben, der den heiligen Gral sucht.
In Tangermünde kommt die Musical-Variante auf die Bühne – nach dem Buch von Eric Idle, der auch die Liedtexte beisteuerte. „Es wird gesungen, getanzt und musiziert, es wird eine einzige Farce,“ fasst Regisseurin Dorotty Szalma zusammen. Das Stück ist musikalisch gespickt mit Ohrwürmern wie „Always look on the bright side of life“. Den Zuschauenden erwartet ein lockerer und fröhlicher Abend. „Er soll auch alle diejenigen begeistern, die ansonsten nichts fürs Theater übrighaben“, so Dorotty Szalma. Dabei ist ihr das Wetter völlig egal – es passt immer zum irren Treiben auf der Bühne, ob die Sonne schein, oder ob es regnet.
Vorhang auf für 13 Aufführungen im Juni und Juli
Bei allem Spaß soll die Hafenbühne ein Erfolg werden. Die Kooperation zwischen Stadt und Theater ist für drei Jahre geschlossen. Dann wird Bilanz gezogen. „Wir erwarten, dass die Hafenbühne die touristische Strahlkraft Tangermündes deutlich erhöht“, sagt Bürgermeister Steffen Schilm. „Veranstaltungen mit überregionaler Aufmerksamkeit bringen zusätzliche Gäste in die Stadt und stärken damit Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel.“ Gleichzeitig gewinne die Region kulturell: Gemeinsam mit dem Theater der Altmark entstünde ein neues hochwertiges Open-Air-Angebot, das die Altmark insgesamt attraktiver mache.
Die Hafenbühne ist laut Bürgermeister Schilm für Tangermünde weit mehr als eine neue Veranstaltungsfläche. „Sie verbindet unsere einzigartige historische Kulisse mit einem modernen kulturellen Angebot und schafft damit einen neuen Identifikationsort für Einheimische wie Gäste.“ Na dann: Vorhang auf!
Autor: Björn Menzel
Tickets und Termine:
Am 20. Juni (ab 19:30 Uhr) ist Premiere. Bis zum 12. Juli wird es insgesamt 13 Vorstellungen geben. Tickets gibt es im Internet, im Theater der Altmark sowie in den Tourist Informationen von Stendal und Tangermünde. Das Stück hat zwei Teile und eine Pause. Es wird Stände mit Essen und Getränken geben.
Theater der Altmark: https://www.tda-stendal.de/, https://www.tda-stendal.de/spielplan/produktionen/spamalot-1663571
Tipp:
Gäste können den Besuch der Tangermünder Hafenbühne mit einer Fahrt auf der Elbe kombinieren. Die Reederei Kaiser bietet eine Schiffsrundfahrt, von der Mitreisende die Bühne vor der Silhouette der mittelalterlichen Stadt vom Wasser aus sehen können. Und bevor die die Ritter kommen, gibt es sogar einen Spamalot-Cocktail.
Tickets Reederei Kaiser: https://www.altmark.de/veranstaltungen/details/shipalot-spamalot-810006610/
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